Tuesday, 29. September 2009

Verhältnisse

Statistiker lieben Prozentzahlen. Mit dem entsprechenden Bezug kann man damit fast alles »beweisen« bzw. illustrieren. Deshalb ist es für den Betrachter wichtig, den Hintergrund der dargestellten Daten zu kennen.

So oder so ähnlich wie in der folgenden Grafik bekommt man in den Medien die Ergebnisse der Bundestagswahl 2009 präsentiert:

In einigen Blogs werden Grafiken gezeigt, die auch die Anzahl der Nichtwähler (18 Mio Menschen!) berücksichtigen. Die sind eigentlich die stärkste »Partei«:

Da hat man schon nicht mehr den Eindruck, dass eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für schwarz-gelb gestimmt hat. Ganz schräg wird das Bild, wenn man berücksichtigt, dass in Deutschland nicht nur die 62,1 Mio wahlberechtigten Menschen leben, sondern laut Statistischem Bundesamt rund 82 Mio Einwohner. Das sind knapp 20 Mio Menschen, die nicht wählen dürfen, aber hier ihren Hauptwohnsitz haben. 20 Mio die nicht wählen dürfen und 18 Mio Nichtwähler – das sind 46% der Einwohner.

Nachtrag: Wie Tobias in seinem Kommentar zu recht anmerkt, sind das viele Dinge in einem Topf. Leider habe ich auf die Schnelle keine Anzahl der Kinder bis 18 Jahren gefunden, nur eine Zahl der hier lebenden Ausländer, die mit 7,3 Mio angegeben wird. Wenn man animmt, dass alle »restlichen« 12,6 Mio Nichtwahlberechtigten Kinder wären, ergibt sich das folgende Bild.

Basis: Anzahl Zweitstimmen laut Bundeswahlleiter.de, Stand 29.09.2009

Wer sich mehr mit dieser Thematik beschäftigen will, sollte einen Blick auf Walter Krämers Taschenbuch »So lügt man mit Statistik« werfen. Wobei das lügen nicht wörtlich zu nehmen ist; die Daten in den Beispielen dort sind immer korrekt. Der Betrachter wird manipuliert durch Maßstäbe, entsprechend gerechnete Prozentzahlen, weggelassene Jahre etc.

Eine ausführliche Analyse der Bundestagswahl findet man auf dem Blog von Benjamin Hoff (via Burks' Blog).

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2 Comments to "Verhältnisse"

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  1. Tobias
    29.09.2009 at 12:19 Permalink

    Schöner Eintrag, aber vielleicht ein bisschen viel in einem Topf.

    Der Hinweis auf die Gruppe der Nicht-Wahlberechtigten ist zwar grundsätzlich richtig, aber diese Gruppe sollte man schon noch einmal ausdifferenzieren. Gibt es nicht zum Beispiel einen Unterschied zwischen erwachsenen Nicht-Bundesbürgern und Säuglingen, die beide nicht wählen dürfen. Bei diesen beiden Gruppen sprechen unterschiedliche Gründe für (oder gegen) ein Wahlrecht und die institutionellen Lösungen wären ebenfalls verschieden, wenn man sie beteiligen wollte.

    Und ohne den zweiten (bei Dir ersten) Punkt klein zu reden: über Nichtwähler und ab welcher Größe dieser Gruppe ein demokratietheoretisches Problem entsteht, kann man ebenfalls länger diskutieren. Dennoch ist es natürlich befremdlich, dass mal wieder über die niedrige Wahlbeteiligung nicht gesprochen wird.

    So oder so sollte man über beide Punkte unabhängig vom Wahlergebnis reden…sonst klingt es schnell nach »mein Wunschergebnis wäre rausgekommen, aber es durften ja nicht alle mitmachen«.

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  2. Klaus
    29.09.2009 at 13:34 Permalink

    Schön zu sehen, dass Du gelegentlich hier vorbeischaust.

    Du hast völlig recht, im letzten Bild sind Äpfel und Birnen enthalten. Ich habe den Beitrag um eine Grafik ergänzt.

    Und es ist müßig, sich über was-wäre-wenn den Kopf zu zerbrechen. Die Leute hatten die Wahl (das ist ja das schöne an einer Demokratie!), ein großer Teil hat sie genutzt, eine relativ große Anzahl nicht.

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